Technische Anleitung Lärm als Schutzvorschrift für organisches Leben?

"Ich nenne das einen medizinpolitschen und verfassungsrechtlichen Skandal."

Leserbrief im aktuellen Ärzteblatt SH

http://www.windturbinesyndrome.com/wp-content/uploads/2011/11/noise-cartoon-550.jpgDer deutliche Leserbrief eines Fachkundigen trifft auf den Kopf, was von der Anwendung einer technischen Verwaltungsrichtlinie als Maß des Gesundheitsschutzes vor "Lärm" in Deutschland zu halten ist: NICHTS!

In seiner Begründung entlarvt er den Zynismus der Totschlagargumente deutscher Landesbehörden und gibt allen, mit dem Thema Lärmschutz gegen Schall von WEA und anderen technischen Anlagen Befassten, grundlegende Argumente an die Hand.

Einige Schlüsselsätze aus seiner Begründung:

„Bei den in Schleswig-Holstein massenhaft stehenden Windkraftanlagen hat ‚die Politik‘ der Bevölkerung deutlich gemacht, was sie von dem Grundrecht auf Gesundheit hält. Sie will als Maß für Abstand und Umfang der Windanlagen eine ingenieurtechnische Vermessung von organischem Leben durchsetzen.
Dieses Maß heißt ‚Technische Anleitung Lärm‘, ist kein Gesetz, sondern Verwaltungsrichtlinie. Ihr Zentrum ist die Vorstellung einer ‚menschlichen Wahrnehmbarkeit‘, die dezibelmäßig mit ‚ja‘ oder ‚nein‘ beantwortbar sei." [...]

"Und das alles, weil die Techniker hier durchsetzen durften, was es mit der sogenannten menschlichen Wahrnehmbarkeit auf sich habe. Ich nenne das einen medizinpolitschen und verfassungsrechtlichen Skandal." [...]

"In der TA-Lärm ist mit ‚ja‘ oder ‚nein‘ wohl beantwortbar, ob es eine ‚menschliche Wahrnehmung‘ geben könne oder nicht. Einen lebenden Organismus, der immer Geschichte, Gegenwart und Zukunft hat, kann dies dualsprachige Konstrukt gar nicht erkennen. Im Belastungsfall sieht man die ganz anders aufgebaute medizinische Begriffswelt in ihrer trinitären Form als nicht kompatibel mit der technischen.
Anamnese, Symptomatik und Prognose sind die medizinische Dreieinheit, wie der lebende Organismus sie gebietet." [...]

"Ich lasse hier aus, dass die genannten Anlagen in Wahrheit kaum ‚Lärm‘ hervorrufen, sondern tieffrequente Druckwellen, die als Fremderregung dauerhafter Art neurologisch zu diagnostizieren sind – scheinbar unauffällig wie andere Strahlungen und Gifte, wo die Dosis die Noxe bestimmt. Es reicht verfassungsrechtlich hoffentlich, darauf zu bestehen, dass ‚Wahrnehmung‘ ein genuin medizinisches Fachgebiet ist und bleiben muss mit allen zugehörigen Wissenschaften, der Psychologie, der Neurologie, Wahrnehmungspsychologie und Psychotherapie und Biologie."

"Medizinpolitisch hat besonderes Gewicht, dass die TA-Lärm keine Kinder, keine Kranken und keine Alten kennt – ein Skandal ohnegleichen."

Den dann folgenden Verweis auf das in jeder Veranstaltung von Politik, Behördenvertretern, Bürgermeistern und natürlich den profitierenden Branchenvertretern stets als Totschlagargument gegen jegliche Kritik an der unbrauchbaren und dazu noch überalterten TA Lärm und der DIN-Vorschriften hervorgeholte Zitat aus den Schriften der Landesämter zum Thema Schall von WEA - hier vom Bayerischen Landesamt für Umwelt - nennt der Autor des Briefes, Peter H.E. Mirbach treffend: "Abgesang der Medizin"

‚...dass der Infraschall in der Umgebung von modernen Windanlagen deutlich unter der Hör- und Wahrnehmungsschwelle liegt. Daher haben nach heutigem Stand der Wissenschaft Windenergieanlagen keine schädlichen Auswirkungen für das Wohlbefinden und die Gesundheit des Menschen.‘

Sein Fazit, welches jeder von uns, der sich mit dem Thema Schallerkrankungen befasst, ob als Forscher im Bereich Medizin, Akustik, Physik oder Biologie, als behandelnder Arzt oder betroffener Erkrankter unterschreiben kann, lautet:

"In diesem anmaßenden Text ist fast alles falsch, hier wird angemaßte Macht vorgeführt.
Zur Macht kommen diese Pseudo-Ärzte nur, wenn die richtigen ihr Feld geräumt haben. Wer jetzt nicht widersteht, verliert am Ende alles. Nachtruhe gibt es schon nicht mehr, seit die überall sichtbaren ganz hohen Anlagen die Bürger mit nie endenden Tieffrequenzen bis in die tiefste Körperregulierung hinein fremdbestimmen. Medizinisch muss man das wohl Enteignung des Körpers nennen, die Enteignung der Medizin ging ihr voraus. Wo sonst als bei der Ärztekammer können die Bürger Beistand finden? Medizinische Fragen können nur Mediziner beantworten, nicht Bürgermeister oder Stadtverordnete.“

Bitte verteilen Sie den Brief des Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten Mirbach an alle Interessierten und an die sog. Entscheider in Politik, Gesundheitsämtern, Genehmigungsbehörden, Gemeinde- und Stadtvertretungen, Funktionäre der Ärztevereinigungen, an die Krankenkassen, an behandelnde Ärzte, Therapeuten und Wissenschaftler und nutzen Sie die Inhalte in Ihren juristischen Auseinandersetzungen, z.B. bei Klagen gegen die immissionsschutzrechtlichen Genehmigungen und zum Schadensersatz.

Lassen Sie es nicht zu, dass sich Politiker, Behörden-, Amts- und Gemeindevertreter, Lobbyisten und Profiteure der Windkraft weiterhin die Medizin zueigen machen, die nichts anderes vorweisen können, als eine technische Anleitung, die sich anmaßt, organisches Leben beurteilen zu können!
JR

Mit Dank an Herrn Mirbach für diese Hilfestellung und an Holger Diedrich für die Info!

Ärzteblatt AUSGABE 7 / 8 | JULI / AUGUST 2016                         M E D I Z I N & W I S S E N S C H A F T // 3 3

L E S E R B R I E F

„Gesundheitliche Belastung durch Windkraftanlagen“

„Bei den in Schleswig-Holstein massenhaft stehenden Windkraftanlagen hat ‚die Politik‘ der Bevölkerung deutlich gemacht, was sie von dem Grundrecht auf Gesundheit hält. Sie will als Maß für Abstand und Umfang der Windanlagen eine ingenieurtechnische Vermessung von organischem Leben durchsetzen.

Dieses Maß heißt ‚Technische Anleitung Lärm‘, ist kein Gesetz, sondern Verwaltungsrichtlinie. Ihr Zentrum ist die Vorstellung einer ‚menschlichen Wahrnehmbarkeit‘, die dezibelmäßig mit ‚ja‘ oder ‚nein‘ beantwortbar sei.

Hunderte von Anlagen stehen inzwischen nahe der Wohnhäuser, langfristige Investitionen und Bestandsgarantien sind festgeschrieben – das ganze Land ist abrupt verändert. Und das alles, weil die Techniker hier durchsetzen durften, was es mit der sogenannten menschlichen Wahrnehmbarkeit auf sich habe. Ich nenne das einen medizinpolitschen und verfassungsrechtlichen Skandal.

Die ‚Wahrnehmung‘ hatte schon eine Jahrhunderte alte Tradition, bevor die technischen Wissenschaften marktbeherrschend wurden. Ihrer Konstruktionswelt zugehörig messen die technischen Wissenschaften, was bei Kenntnis aller zugehöriger Parameter eintrete und was nicht. In der TA-Lärm ist mit ‚ja‘ oder ‚nein‘ wohl beantwortbar, ob es eine ‚menschliche Wahrnehmung‘ geben könne oder nicht. Einen lebenden Organismus, der immer Geschichte, Gegenwart und Zukunft hat, kann dies dualsprachige Konstrukt gar nicht erkennen. Im Belastungsfall sieht man die ganz anders aufgebaute medizinische Begriffswelt in ihrer trinitären Form als nicht kompatibel mit der technischen.

Anamnese, Symptomatik und Prognose sind die medizinische Dreieinheit, wie der lebende Organismus sie gebietet.

Und die Entrechtung der Medizin beginnt hier, wo Techniker ihr Monopol auf vermeintlich ‚menschliche Wahrnehmbarkeit‘ durchsetzen wollen. Ich lasse hier aus, dass die genannten Anlagen in Wahrheit kaum ‚Lärm‘ hervorrufen, sondern tieffrequente Druckwellen, die als Fremderregung dauerhafter Art neurologisch zu diagnostizieren sind – scheinbar unauffällig wie andere Strahlungen und Gifte, wo die Dosis die Noxe bestimmt. Es reicht verfassungsrechtlich hoffentlich, darauf zu bestehen, dass

‚Wahrnehmung‘ ein genuin medizinisches Fachgebiet ist und bleiben muss mit allen zugehörigen Wissenschaften, der Psychologie, der Neurologie, Wahrnehmungspsychologie und Psychotherapie und Biologie.

Medizinpolitisch hat besonderes Gewicht, dass die TA-Lärm keine Kinder, keine Kranken und keine Alten kennt – ein Skandal ohnegleichen. So sieht es aus, wenn Medizin zum Billigpreis über den politischen Tresen geht und der Abgesang der Medizin sieht dann beispielhaft so aus, wie das Bayerische Landesamt für Umwelt die Bürger wissen ließ: ‚...dass der Infraschall in der Umgebung von modernen Windanlagen deutlich unter der Hör- und Wahrnehmungsschwelle liegt. Daher haben nach heutigem Stand der Wissenschaft Windenergieanlagen keine schädlichen Auswirkungen für das Wohlbefinden und die Gesundheit des Menschen.‘

In diesem anmaßenden Text ist fast alles falsch, hier wird angemaßte Macht vorgeführt. Zur Macht kommen diese PseudoÄrzte nur, wenn die richtigen ihr Feld geräumt haben. Wer jetzt nicht widersteht, verliert am Ende alles. Nachtruhe gibt es schon nicht mehr, seit die überall sichtbaren ganz hohen Anlagen die Bürger mit nie endenden Tieffrequenzen bis in die tiefste Körperregulierung hinein fremdbestimmen. Medizinisch muss man das wohl Enteignung des Körpers nennen, die Enteignung der Medizin ging ihr voraus. Wo sonst als bei der Ärztekammer können die Bürger Beistand finden? Medizinische Fragen können nur Mediziner beantworten, nicht Bürgermeister oder Stadtverordnete.“

Peter Hans E. Mirbach,

Kinder & jugendlichen psychotherapeut, Wesselburen

und Links
https://www.aeksh.de/aerzteblatt/2016/07
https://www.aeksh.de/sites/default/files/aerzteblatt_pdf/shae_72016_komplett_online.pdf

Originaltext:
http://www.windwahn.de/index.php/wissen/hintergrundwissen/ta-laerm-medizinpolitischer-und-verfassungsrechtlicher-skandal.html